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Bomben auf Mallorca

Verreisen? Umbuchen? Zurücktreten?

Die aktuellen Terroranschläge auf Mallorca sorgen für Verunsicherung unter Urlaubern. Beim Europäischen Verbraucherzentrum fragen Reisende nach, was Sie tun können.


Musterprozesse als Orientierungshilfe

Der VKI hat in einer Reihe von Musterprozessen diese Frage durch den Obersten Gerichtshof (OGH) ausjudizieren lassen. Aus diesen Urteilen kann man Folgendes ableiten:Reisenden können - wegen Wegfalles der Geschäftsgrundlage - kostenlos stornieren, wenn die Gefahrenlage - auch im Lichte seriöser Medienberichte - das allgemeine Lebensrisiko deutlich überschreitet. Bei Bombenanschlägen verbunden mit weiteren Terrordrohungen gegen Touristen kann man von einer solchen Gefahrenlage ausgehen.

Eine solche Gefahrenlage kann - auch ohne offizielle Reisewarnung des Außenministeriums - gegeben sein; es reicht, wenn diese Gefahr im Lichte seriöser Medienberichte gegeben erscheint.
Man kann also - entgegen der seitens von Reiseveranstaltern zuweilen vertretenen Auffassung - auch dann kostenlos zurücktreten, wenn keine Reisewarnung des Außenministeriums vorliegt.

Abwarten, wenn Abreise in weiter Zukunft liegt

Der Oberste Gerichtshof (OGH) verlangt aber, dass Reisende, deren Abreise noch weiter in der Zukunft liegt, zunächst abwarten, wie sich die Sicherheitslage entwickelt. (Andererseits ist eine allfällige Stornogebühr desto geringer, desto länger es noch bis zur Abreise dauert.)

Der OGH billigt dem Reiseveranstalter zu, dass er einem Wunsch nach kostenlosen Rücktritt ein Angebot auf eine zumutbare (und kostenlose) Umbuchung entgegenhält. Gibt es nicht gute Gründe, die Umbuchung abzulehnen, dann muss man diese akzeptieren. Das Angebot einer Umbuchung gegen Aufpreis fällt nicht darunter; in einem solchen Fall kann man kostenlos zurücktreten.

Größere Menschenansammlungen meiden

Das österreichische Außenministerium hat derzeit keine offizielle Reisewarnung ausgesprochen, ruft aber zu "entsprechender Vorsicht und Wachsamkeit" auf.

Außenministerium: Zuletzt kam es auch auf der spanischen Ferieninsel Mallorca zu Bombenexplosionen. Reisende werden gebeten, entsprechende Vorsicht und Wachsamkeit walten zu lassen  und den Anweisungen der örtlichen Sicherheitsbehörden Folge zu leisten. Insbesondere sind auch größere Menschenansammlungen zu meiden. Es muss erneut mit Behinderungen durch Maßnahmen der spanischen Sicherheitsbehörden gerechnet werden. (Stand 09.08.2009).

Tipps des Europäischen Verbraucherzentrums

  • Klären Sie unabhängig von einer Stornogebühr, wie hoch Sie die Gefährdung persönlich einschätzen und ob Sie die Reise antreten oder nicht.
  • Wenn der Reiseveranstalter eine kostenlose und zumutbare Umbuchungsmöglichkeit (selbe Reisezeit / selber Reisezuschnitt / selber Reisepreis) anbietet, dann sollten Sie diese akzeptieren. 
  • Bietet der Reiseveranstalter keine Umbuchungsmöglichkeit an und wollen Sie die Reise nicht antreten, dann erklären Sie gegenüber dem Reiseveranstalter schriftlich, dass Sie von der Buchung wegen der Terrorgefahr kostenlos zurücktreten wollen.
    Ob ein Gericht dieser Argumentation allerdings folgt (Voraussetzungen für den Wegfall  der Geschäftsgrundlage betehen) hängt von des Umständen im Einzelfalles ab. 
  • Wenn Sie allfällige „Stornogebühren" bezahlen, dann nur „vorbehaltlich rechtlicher Klärung und Rückforderung". 

 

Wien, 10.08.2009